Erfahrungsbericht
Diabetes Mellitus

Notfall: Schwächeanfall
Unsere Katze Puppi, die eigentlich Foxy heißt, erfreute sich bislang trotz ihres Alters von fast 14 Jahren bester Gesundheit. Als typischer Freigänger legte sie regelmäßig ein wenig Winterspeck an, der dann mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühling wieder abgebaut wurde und bis zum Sommer regelmäßig verschwand.
Im Frühling 2023 fiel uns „nur“ auf, dass sich etwas Trägheit bemerkbar machte, was wir aber auf ihr stattliches Alter schoben. Mäuse als Geschenk gab es jedoch immer noch. Auffällig war, dass sie an Gewicht verlor, nämlich von 4,5 kg auf 3,7 kg innerhalb nur eines Monats!
Eines Abends fand ich Puppi apathisch am Boden im Badezimmer liegend vor. Sie war abwesend und wirkte benommen. Noch dazu war das keiner ihrer bevorzugten Plätze. In Angst und Panik rief ich sofort bei unserer Tierärztin an. 15 Minuten später lag unsere Katze schon am Untersuchungstisch und Blut für ein Blutbild wurde „abgezapft“. Kurze Zeit später lag dann auch schon der Blutbefund vor: alle Werte waren „im Keller“ - außer Glukose: hier war der Wert sehr hoch und die Diagnose ging eindeutig Richtung Diabetes. Daher wurden wir sofort in die Tierklinik weitergeschickt, denn für Puppi war es 5 vor 12!
Eine Stunde später waren wir bereits in der Tierklinik. Puppi wurde zur weiteren Untersuchung und Behandlung stationär aufgenommen, um die Werte wieder ins Lot zu bringen. Es wurde unter anderem ein Ultraschall vom Abdomen gemacht, da mehrere Organe, insbesondere die Nieren, lt. Blutbefund bereits angegriffen waren. Auch eine umfassende Urinuntersuchung wurde durchgeführt. Sie bekam eine infusions- und medikamentelle Therapie, um wieder aufgepäppelt zu werden - und es wurde am Hals ein Sensor gesetzt, da natürlich der Zucker eingestellt gehörte.
Nach einer langen Woche und vielen Telefonaten mit der behandelnden Tierärztin der Klinik durften wir Puppi endlich wieder abholen. Bauch, Hals und Pfoten waren rasiert. Sie erwartete uns miauend – welche Freude!
Diagnose: Diabetes Mellitus
Bei der Abholung bekamen wir eine Einschulung für die weitere Versorgung zu Hause. Wir fühlten uns etwas überfordert, um es gelinde auszudrücken, denn die Liste der ab sofort täglich notwendigen ToDo’s erschien uns endlos und es war noch nicht klar, wie und ob wir diese Aufgaben alle schaffen würden, vor allem, wie Puppi das alles mitmachen würde!
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Ab sofort mussten wir Puppi alle 12 Stunden ins Ohr stechen, den Blutzucker messen und je nach Wert Insulin spritzen. Zum Messen des Blutzuckers gibt es zwar auch für Tiere einen sogenannten FreeStyle Libre, also einen Sensor, der in der Halsgegend gesetzt wird. Damit würde der Blutzuckerwert einfach abzulesen sein. Leider hat der Sensor aber bei Puppi nicht gehalten. Die Haltbarkeit von dem Sensor wäre außerdem ohnehin nur ca. 14 Tage. Die Anfangsausrüstung bekamen wir mit. Die Einschulung in der Tierklinik war sporadisch, denn wie oft soll man zur Übung die Katze piksen? Es hatte glücklicherweise beim ersten Mal funktioniert, also waren wir guten Mutes - den Sinn hatten wir verstanden.
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Das Futter gab es von nun an nach genauem Zeitplan. Darüber hinaus musste es natürlich diabetikergeeignet sein. Jedes Nassfutter, das wir wochen-/ monatelang ausprobiert hatten, schmeckte ihr gut. Beim Trockenfutter mussten sich die beiden anderen Katzen anpassen. Es war etwas teurer, ja, aber das nimmt man in Kauf.
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Unsere 14-jährige Freigängerkatze soll nun – aufgrund der Diagnose - am Besten eine Wohnungskatze werden. Da 2 weitere Miezen im Haushalt leben und sich 2 Katzenklappen entfernt der Garten befindet, ist unsere Puppi „not amused“, in ihrem Indoor-Refugium auch das Katzenklo zu benutzen, aber auch das funktionierte ohne Probleme.
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Ein Diabetiker-Tagebuch muss geführt werden! Das Ziel ist eine konstante, gleichmäßige Insulinabgabe, um starke Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden. Der normale Blutzuckerwert einer Katze liegt in der Regel zwischen 90 mg/dL und 270 mg/dL. Um eine gute Lebensqualität zu gewährleisten und Schäden an den Organen zu vermeiden, sollte sich die Blutzuckerkurve in diesem Bereich befinden. Die ersten Tage haben wir sogar die Zwischenmahlzeiten, d.h. die bereitgestellte Menge an Trockenfutter abgewogen und im Tagebuch vermerkt, ebenso welches Nassfutter und auch hiervon die Menge.
Und wie lief es nun im Alltag?
Ad 1) Morgens und abends hatten wir (die Katze und ich) ein Einverständnis, dass ich mit Leckerlis problemlos ins Ohr stechen durfte. Die Herausforderung war die Menge an Insulin, die verabreicht werden soll, da die Messwerte bei der Einstellung sehr variierten, auch wenn darauf geachtet wurde, wann und wieviel gefüttert wurde. Laut der Tierärztin soll kein Insulin verabreicht werden, wenn das Messgerät einen Wert kleiner als 190mg/dL anzeigt.
Ad 2) Das Spezialfutter ergab keine Veränderung beim Glukosegehalt, weshalb wir wieder auf Normalfutter umstellten.
Ad 3) Schon nach 4 Tagen war Schluss mit lustig: raus aus dem Gefängnis! Unsere Erfahrung ließ uns jedoch wissen, dass Puppi den Garten nicht verlässt und wenn, dann ist sie in Rufweite ihrer Futterschüssel.
Ad 4) 1 Jahr lang haben wir 2x täglich alle 10-14 Stunden unsere Prozedur (Leckerli – Ohr piksen – Leckerli – Blutzucker messen – Fresschen – Insulin spritzen) vollzogen und fleißig das Tagebuch geführt. Mittlerweile sind die Seiten des Tagebuches voll und wir haben kein neues gekauft. Wir haben weiterhin den Blutzucker gemessen und nach Erfahrung Insulin gespritzt. Jetzt messen wir nur mehr alle 3 Tage, sonst spritzen wir morgens und abends 2 Einheiten nach der Skala unserer Spritze. Wenn uns allerdings das Verhalten unserer Puppi einmal komisch vorkommt oder wir den Zeitabstand einmal nicht genau einhalten können, messen wir natürlich schon – wir haben ja alles zu Hause!
Welchen Einschnitt bedeutet die Krankheit bzw. das Handling von Diabetes bei der Katze im Alltag?
Man braucht jedenfalls eine gute Organisation, die Zusammenarbeit aller Familienmitglieder, Verständnis und Verzicht.
Wie oft hab ich mich sagen hören: „Kann nicht, unsere Katze hat Diabetes.“
Wir sind zeitgebunden, da zur Futterzeit alle 3 Katzen die innere Uhr laut eingestellt haben. Vergessen gibt’s gar nicht. Jeden freien Tag und jedes Wochenende sind wir abwechselnd um 6:30 Uhr aufgestanden, um die 12 Stunden Abstand einhalten zu können, wochentags sowieso. An Urlaub war erst gar nicht zu denken, bis wir eine professionelle Katzensitterin gefunden hatten, der wir die Betreuung unserer Puppi anvertrauen konnten.
Inzwischen sind wir schon einigermaßen flexibel geworden., dh wir lassen Ausnahmen zu. Mittlerweile wissen wir, dass wir bis zu 2 Stunden abweichen können. Danach dauert es halt, bis wir den Rhythmus wieder eingestellt haben. Sollten wir die Zeiten am Wochenende nicht einhalten können, messen wir immer vor dem Spritzen.
Wir haben uns so intensiv mit dieser Krankheit befasst, sodass wir inzwischen eigentlich schon Experten sind. Wir konnten durch unser erlangtes Wissen wieder Routine und Ruhe in unseren Alltag bringen, haben nun eine gewisse Sicherheit und die Aufgaben, die anfangs so schwierig erschienen, meistern wir nun ohne Probleme. So schwer uns auch die Diagnose anfangs getroffen hat, so sehr freuen wir uns, dass wir diese Herausforderung so gut meistern können– nicht zuletzt, weil Puppi so brav mitspielt, die Prozedur von Anfang an unglaublich brav und geduldig ertragen hat und trotz allem immer verlässlich nach Hause kommt.